Koronarangiographie

Aufklärung Koronarangiographie (Herzkatheteruntersuchung)

1. Ziel der Untersuchung

Die Koronarangiographie dient dazu, die Herzkranzgefäße (Koronararterien) darzustellen, um Engstellen oder Verschlüsse zu erkennen.
Indikationen:

  • Abklärung von Brustschmerzen (Angina pectoris)
  • Nachweis oder Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit (KHK)
  • Abklärung bei Herzinfarkt oder positiven Belastungstests
  • Beurteilung vor Herzoperationen oder Klappeneingriffen

2. Vorgehen / Ablauf

  1. Zugang
    • Meist über die Arteria radialis (Handgelenk) oder Arteria femoralis (Leiste).
    • Lokale Betäubung, meist keine Vollnarkose.
  2. Einführen des Katheters
    • Über eine dünne Schleuse wird ein feiner Katheter bis zum Herzen vorgeschoben.
    • Dies ist in der Regel nicht schmerzhaft, kann aber ein leichtes Druckgefühl verursachen.
  3. Darstellung der Gefäße
    • Über den Katheter wird Kontrastmittel eingespritzt, während Röntgenaufnahmen erstellt werden.
    • Dabei kann ein kurzes Wärmegefühl auftreten.
  4. Dauer
    • Ca. 15–30 Minuten (länger bei zusätzlicher Therapie, z. B. Stent).
  5. Eventuelle Intervention
    • Wenn eine Engstelle gefunden wird, kann sofort eine Ballonaufdehnung (PTCA) und ggf. Stentimplantation erfolgen (Therapie in gleicher Sitzung, wenn möglich).

3. Vorbereitung

  • Nüchternheit meist 4–6 Stunden vor dem Eingriff.
  • Allergien, Medikamente (z. B. Blutverdünner, Metformin, Kontrastmittelallergie) müssen dem Arzt mitgeteilt werden.
  • Blutuntersuchung (Kreatinin, Gerinnung) wird vorher durchgeführt.
  • Rasur der Punktionsstelle ggf. erforderlich.
  • Venöser Zugang, EKG- und Blutdrucküberwachung.

4. Nach der Untersuchung

  • Druckverband an der Punktionsstelle (Handgelenk oder Leiste).
  • Beobachtungszeit:
    • Radialzugang: meist 2–4 Stunden.
    • Femoraliszugang: 6 Stunden Bettruhe.
  • Kontrolle von Puls, Blutdruck, Punktionsstelle.
  • Viel trinken zur Ausscheidung des Kontrastmittels (sofern keine Herzinsuffizienz).

5. Mögliche Risiken und Komplikationen

Komplikation Beschreibung Häufigkeit (ungefähr)
Schmerzen, Hämatom, Blutung an der Punktionsstelle Bluterguss oder Nachblutung an Handgelenk oder Leiste 1–5 %
Pseudoaneurysma / AV-Fistel Gefäßverbindung oder Aneurysma an der Punktionsstelle, evtl. Nachbehandlung nötig < 1 %
Allergische Reaktion auf Kontrastmittel Hautausschlag, Juckreiz, selten Kreislaufreaktion 0,1–0,5 %
Übelkeit, Hitzegefühl, Schwindel Meist harmlos, durch Kontrastmittel oder Vagusreiz 1–3 %
Gefäßverschluss oder Thrombose In Arterie oder Koronararterie; selten, ggf. akut behandlungsbedürftig < 0,5 %
Herzrhythmusstörungen Extrasystolen, selten AV-Block, Kammerflimmern (reversibel) 0,5–1 %
Herzinfarkt während der Untersuchung Durch Embolie, Spasmus oder Verschluss 0,1–0,3 %
Schlaganfall (zerebrale Embolie) Meist vorübergehend, sehr selten dauerhaft 0,05–0,1 %
Nierenfunktionsstörung (Kontrastmittelnephropathie) Risiko ↑ bei Niereninsuffizienz, Diabetes, Dehydratation 1–2 % (bis 10 % bei Risikopatienten)
Infektion an Punktionsstelle Lokal, selten systemisch < 0,1 %
Perforation / Dissektion eines Gefäßes Sehr selten, ggf. chirurgische oder interventionelle Therapie < 0,1 %
Herzbeuteltamponade Durch Katheterperforation, selten aber potenziell lebensbedrohlich < 0,1 %
Todesfall Extrem selten, meist bei schwer kranken Patienten < 0,05–0,1 %

Zusatzhinweis für Patientenaufklärung

  • Gesamtkomplikationsrate: etwa 1–3 % (meist leichte, lokale Komplikationen).
  • Schwerwiegende Komplikationen: < 0,5 %.
  • Die Untersuchung gilt insgesamt als sehr sicher und ist Routineverfahren in der Kardiologie.

6. Alternativen

  • Nichtinvasive Verfahren: CT-Koronarangiographie, Stress-MRT, Myokardszintigrafie, Stressecho
    → Diese liefern aber keine unmittelbare therapeutische Möglichkeit (kein Stent möglich).

7. Nachbesprechung

Nach dem Eingriff werden die Bilder gezeigt und das weitere Vorgehen (z. B. medikamentöse Therapie, ggf. Stentimplantation oder Bypassplanung) besprochen.