1. Indikation / Zweck des Eingriffs
Implantation eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) zur Verhinderung des plötzlichen Herztodes infolge maligner ventrikulärer Rhythmusstörungen.
Hauptindikationen:
- Sekundärprävention: nach überlebtem Kammerflimmern oder hämodynamisch relevantem ventrikulärem Tachykardie-Ereignis.
- Primärprävention: bei deutlich eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (LVEF ≤ 35 %) infolge ischämischer oder dilatativer Kardiomyopathie unter optimaler medikamentöser Therapie.
- Seltene Indikationen: genetische Rhythmussyndrome (z. B. Brugada-, Long-QT-Syndrom, hypertrophe Kardiomyopathie).
Ziel: Schutz vor lebensbedrohlichen ventrikulären Arrhythmien durch automatische Erkennung und Terminierung (Schock oder Antitachykardiestimulation).
2. Art und Durchführung des Eingriffs
- Lokalanästhesie, ggf. mit leichter Sedierung.
- Hautschnitt (ca. 5 cm) meist links unterhalb des Schlüsselbeins.
- Darstellung einer Vene (V. cephalica oder V. subclavia).
- Einführen der Ventrikelelektrode (und ggf. einer Vorhofelektrode) in das rechte Herz unter Röntgendurchleuchtung.
- Anschluss der Elektrode(n) an das ICD-Aggregat.
- Einbringen des Aggregats in eine subkutane oder submuskuläre Tasche.
- Funktionsprüfung (Reizschwelle, Wahrnehmung, Impedanz, Defibrillationstest ggf. intraoperativ).
- Hautverschluss und steriler Verband.
Dauer des Eingriffs: ca. 60–90 Minuten.
Stationärer Aufenthalt: meist 2–3 Tage.
3. Vorbereitung
- Nüchternheit ab 6 h vor Eingriff (klare Flüssigkeiten bis 2 h vorher erlaubt).
- Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Gerinnung, CRP.
- Röntgen-Thorax, 12-Kanal-EKG, ggf. Echokardiographie.
- Antikoagulation anpassen (individuell nach Präparat).
- Rasur und antiseptische Hautvorbereitung im Infraklavikularbereich.
- Aufklärung über das Verhalten nach Implantation.
4. Verhalten nach dem Eingriff
- Arm auf Implantationsseite 1–2 Tage ruhig halten, danach allmählich Mobilisation (keine Abduktion > 90° für 1 Woche).
- Verband- und Wundkontrolle.
- Röntgen-Thorax (Lagekontrolle, Ausschluss Pneumothorax).
- ICD-Kontrolle: Funktionsprüfung, Programmierung.
- Entlassung bei stabilem Verlauf nach 1–2 Tagen.
- Fadenzug nach 7–10 Tagen.
- Nachkontrollen: nach 6 Wochen, danach halbjährlich bis jährlich.
5. Mögliche Komplikationen
| Komplikation | Häufigkeit | Bemerkung / Folge |
|---|---|---|
| Hämatom, Nachblutung | häufig (1–5 %) | v. a. unter Antikoagulation |
| Wund- oder Tascheninfektion | selten (0,5–1 %) | ggf. Systemexplantation notwendig |
| Pneumothorax / Hämatothorax | selten (1 %) | ggf. Drainagepflichtig |
| Elektrodendislokation | selten (1–2 %) | Revisionspflichtig |
| Herzperforation / Perikardtamponade | sehr selten (< 0,5 %) | Notfallbehandlung erforderlich |
| Fehlfunktion des ICD | selten | Reprogrammierung oder Aggregatwechsel |
| Schmerzempfindung durch ICD-Schock | gelegentlich | kurz, aber unangenehm |
| Thrombose / Embolie | sehr selten | Antikoagulation prüfen |
| Tod / schwere Komplikation | extrem selten (< 0,1 %) |
6. Verhalten im Alltag / Langzeithinweise
- Kontrollintervalle: zunächst nach 6 Wochen, dann alle 6–12 Monate (Fernabfrage ggf. möglich).
- Implantatpass stets mitführen (z. B. Flughafen, Arztbesuche).
- Elektromagnetische Felder: starke Magnete, Induktionsherde und Schweißgeräte meiden; normale Haushaltsgeräte unbedenklich.
- Mobiltelefone auf der Gegenseite tragen, Abstand ≥ 15 cm zum ICD.
- MRT nur bei MRT-tauglichem System.
- Nach Schockabgabe: ärztliche Kontrolle (bei einmaligem Ereignis zeitnah, bei mehreren Schocks sofortige Vorstellung).
- Bei Rötung, Schwellung, Fieber oder Schmerzen über dem Aggregat sofort Arzt informieren.
- Batterielaufzeit ca. 8–10 Jahre; bei Batterieerschöpfung nur Aggregattausch, Elektroden verbleiben.
7. Erleben eines ICD-Schocks
- Der Schock kann sich als kurzer, kräftiger Schlag auf die Brust anfühlen.
- Er beendet in der Regel sofort die Rhythmusstörung.
- Mehrere Schocks hintereinander („Storm“) oder Schocks bei Bewusstsein müssen ärztlich abgeklärt werden (Geräteeinstellung / Medikamentenanpassung).
8. Alternative Behandlungsmöglichkeiten
- Medikamentöse Therapie (z. B. Amiodaron, Betablocker) kann Rhythmusstörungen reduzieren, verhindert aber den plötzlichen Herztod nicht zuverlässig.
- Tragen einer externen Defibrillatorweste (LifeVest®) ggf. als vorübergehende Alternative.
- Keine andere Methode bietet eine gleichwertige Schutzwirkung.
9. Prognose
- Deutliche Reduktion der Mortalität bei gefährdeten Patienten.
- ICD arbeitet automatisch und zuverlässig.
- Lebensqualität meist verbessert durch Sicherheitsempfinden.
- Batterie-/Aggregatwechsel nach 8–10 Jahren; Elektroden verbleiben in situ.
10. Besondere Hinweise
- Körperliche Aktivität, Reisen und Sexualität nach Abheilung uneingeschränkt möglich.
- Kein Autofahren in den ersten 3 Monaten nach Erstimplantation oder nach Schockabgabe (laut DGK-Empfehlung).
- Bei beruflicher Exposition mit elektrischen Feldern ggf. arbeitsmedizinische Beratung.
- Patienten mit Niereninsuffizienz, Diabetes oder Immunsuppression: erhöhtes Infektionsrisiko.

