1. Ziel und Zweck der Untersuchung
Die transösophageale Echokardiographie (TEE) ist eine spezielle Ultraschalluntersuchung des Herzens, bei der eine Sonde über den Mund in die Speiseröhre (Ösophagus) eingeführt wird.
Da sich die Speiseröhre unmittelbar hinter dem Herzen befindet, können Herzklappen, Vorhöfe, Vorhofseptum, Aorta und Thromben besonders genau dargestellt werden.
Ziele der Untersuchung:
- Beurteilung von Herzklappen (z. B. Endokarditis, Klappeninsuffizienz, Klappenprothesen)
- Nachweis oder Ausschluss von Thromben (v. a. im linken Vorhofohr)
- Beurteilung von Vorhofseptumdefekten / PFO
- Darstellung der Aorta thoracalis (z. B. bei Dissektion)
- Kontrolle nach interventionellen oder operativen Eingriffen (z. B. Klappenimplantation, PFO-/LAA-Verschluss)
- Ergänzung zur transthorakalen Echokardiographie (TTE), wenn diese nicht ausreichend aussagekräftig ist
2. Art und Durchführung der Untersuchung
- Untersuchung in der Regel in Linksseitenlage.
- Zuvor Lokalanästhesie des Rachens (z. B. mit Lidocain-Spray).
- Meist zusätzlich Beruhigungsspritze (Sedierung) mit Midazolam oder Propofol i.v.
- Einführung einer schmalen, flexiblen Ultraschallsonde über den Mund in die Speiseröhre.
- Dauer der Untersuchung: ca. 10–20 Minuten.
- Während der Untersuchung kontinuierliche Überwachung von Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung.
- Nach der Untersuchung Beobachtung, bis Sedierung abgeklungen ist (ca. 1–2 Stunden).
3. Vorbereitung
- Nüchternheit: 6 Stunden vor der Untersuchung keine feste Nahrung, keine Milchprodukte; klare Flüssigkeiten bis 2 Stunden vorher erlaubt.
- Zahnersatz (Prothesen, Teilprothesen, lose Kronen) vor der Untersuchung entfernen.
- Gerinnungshemmung wird in der Regel nicht pausiert.
- Allergien, Schluckbeschwerden oder Erkrankungen der Speiseröhre (z. B. Ösophagusvarizen, Strikturen, Divertikel) müssen dem Arzt mitgeteilt werden.
- Bei stationären Patienten: venöser Zugang und Monitoring vor Beginn.
4. Verhalten nach der Untersuchung
- Erst trinken oder essen, wenn das Schluckgefühl vollständig zurückgekehrt ist (nach ca. 1 Stunde).
- Nach Sedierung:
- 24 Stunden kein Autofahren, keine Maschinen bedienen, keine wichtigen Entscheidungen treffen.
- Nur in Begleitung nach Hause.
- Leichtes Kratzen im Hals oder Schluckbeschwerden sind vorübergehend möglich.
- Bei anhaltenden Schmerzen, Blutspucken, Fieber oder Schluckstörungen: sofort Arzt informieren.
5. Mögliche Risiken und Komplikationen
| Komplikation |
Häufigkeit |
Bemerkung / Folge |
| Würgereiz / Halsschmerzen |
häufig (10–20 %) |
meist vorübergehend |
| Zahn- oder Lippenverletzung |
gelegentlich |
v. a. bei lockeren Zähnen |
| Blutdruck- / Pulsveränderungen |
gelegentlich |
durch Sedierung oder vagale Reaktion |
| Übelkeit / Erbrechen |
selten |
ggf. Abbruch der Untersuchung |
| Verletzung der Speiseröhre / Schleimhaut |
sehr selten (< 0,1 %) |
ggf. Blutung oder Perforation |
| Aspiration (Einatmen von Mageninhalt) |
sehr selten (< 0,1 %) |
v. a. bei fehlender Nüchternheit |
| Allergische Reaktion auf Medikamente |
sehr selten |
ggf. Notfallbehandlung erforderlich |
| Schwere Komplikationen (z. B. Perforation, Herzrhythmusstörungen) |
extrem selten (< 0,05 %) |
|
6. Alternativen
- Transthorakale Echokardiographie (TTE): schmerzlos und ohne Sedierung, aber geringere Bildqualität bei bestimmten Fragestellungen.
- CT- oder MRT-Untersuchung des Herzens / der Aorta: möglich, jedoch ohne direkte Klappenfunktionsbeurteilung und ggf. mit Kontrastmittelbelastung.
Die TEE ist bei vielen Fragestellungen (z. B. Thrombus- oder Endokarditisnachweis) die genaueste und sicherste Methode.
7. Prognose / Nutzen
Die TEE ist eine sehr sichere Routineuntersuchung mit hoher Aussagekraft.
Die gewonnenen Befunde sind oft entscheidend für die weitere Therapieplanung (z. B. Klappenoperation, Antikoagulation, Intervention).