1. Was ist ein Kardio-CT?
- Das Kardio-CT ist eine spezielle Computertomographie-Untersuchung des Herzens und der Herzkranzgefäße (Koronarien).
- Ziel ist die nicht-invasive Darstellung von Verkalkungen, Engstellen oder anderen Auffälligkeiten der Herzkranzgefäße.
- Die Untersuchung kann auch ergänzend zur funktionellen Diagnostik (z. B. Belastungstests) eingesetzt werden.
2. Indikationen / Fragestellungen
- Abklärung bei Verdacht auf koronare Herzkrankheit (KHK), insbesondere bei:
- unklaren Brustschmerzen
- grenzwertigen Befunden aus Belastungsuntersuchungen
- niedrigem bis mittlerem Risiko für KHK
- Beurteilung:
- Koronararterienverkalkung (Calcium-Score)
- Stenosegrad (CT-Angiographie)
- Stent- und Bypass-Beurteilung (eingeschränkt)
- Ausschluss einer KHK bei Ausschlussdiagnostik oder vor nicht-kardialen Eingriffen
3. Ablauf der Untersuchung
- Dauer: ca. 15–30 Minuten, reine CT-Aufnahme: wenige Sekunden
- Sie liegen in Rückenlage im CT-Gerät.
- Anlegen von EKG-Elektroden zur Synchronisation der Bildaufnahme mit dem Herzschlag.
- Verabreichung eines jodhaltigen Kontrastmittels über eine Armvene.
- Atemkommandos während der Aufnahmen (z. B. „Tief einatmen – Luft anhalten“).
- Ggf. Gabe eines Betablockers oder Nitroglyzerins, um Herzfrequenz zu senken bzw. Gefäße besser darzustellen.
4. Vorbereitung
- Nüchternheit für mindestens 4 Stunden (bei Kontrastmittelgabe empfohlen).
- Keine koffeinhaltigen Getränke (z. B. Kaffee, Cola) vor der Untersuchung.
- Vorherige Abklärung von:
- Schilddrüsenerkrankungen
- Nierenfunktion (Kreatininwert)
- Allergien auf Kontrastmittel
- Asthma bronchiale
- Evtl. Absetzen bestimmter Medikamente (z. B. Metformin) vor und nach der Untersuchung.
5. Vorteile
- Nicht-invasiv – kein Herzkatheter nötig.
- Gute Sensitivität zum Ausschluss signifikanter Stenosen.
- Schnelle Untersuchung mit hoher Bildauflösung.
- Beurteilung auch von Frühformen der KHK (z. B. nicht verkalkte Plaques).
- Möglichkeit zur quantitativen Risikoeinschätzung (z. B. Calcium-Score).
6. Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
| Risiko / Nebenwirkung | Häufigkeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Reaktion auf Kontrastmittel (Übelkeit, Hautausschlag) | gelegentlich | meist mild, selten schwerwiegende Allergie |
| Beeinträchtigung der Nierenfunktion | selten | v. a. bei vorbestehender Niereninsuffizienz |
| Schilddrüsenüberfunktion (iodinduzierte Hyperthyreose) | selten | bei vorgeschädigter Schilddrüse möglich |
| Strahlenbelastung | vorhanden | deutlich niedriger als beim Herzkatheter |
| Herzrhythmusstörungen | sehr selten | durch Betablocker oder Nitroglyzerin |
| Kontrastmittel-Extravasation | selten | bei fehlerhafter Venenzugangslage |
7. Alternativen
- Belastungs-EKG, Stressechokardiographie, Myokardszintigraphie – funktionelle Tests ohne direkte Darstellung der Gefäße
- Invasive Koronarangiographie (Herzkatheter) – wenn der Verdacht auf eine relevante Stenose hoch ist oder ein Eingriff geplant ist
- Bei reiner Plaque-Erfassung: Calcium-Scoring ohne Kontrastmittel
8. Nach der Untersuchung
- Viel trinken zur schnelleren Ausscheidung des Kontrastmittels (1,5–2 Liter/Tag, falls keine Kontraindikation).
- Bei Gabe von Betablockern oder Nitroglyzerin: ggf. leichte Schwindelgefühle.
- Rückkehr zur normalen Aktivität meist sofort möglich.
9. Besonderheiten
- Die Aussagekraft hängt stark von:
- Herzfrequenz
- Kalkgehalt der Gefäße
- Bewegungsartefakten
ab – ggf. muss auf ein alternatives Verfahren ausgewichen werden.

