Aufklärung ECMO-Implantation

1. Was ist eine ECMO?

  • Die ECMO ist ein maschinelles Herz-Lungen-Unterstützungssystem, das bei akutem Kreislauf- oder Lungenversagen lebensrettend eingesetzt werden kann.
  • Das Blut wird außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und/oder gepumpt, um Herz und/oder Lunge vorübergehend zu entlasten.
  • Die Maßnahme erfolgt in der Regel auf einer Intensivstation unter ständiger Überwachung.

2. Ziel der Behandlung

  • Überbrückung einer akuten Lebensbedrohung, z. B. durch Herzstillstand, Lungenversagen oder nach Reanimation.
  • Verbesserung der Organversorgung mit Sauerstoff.
  • Schaffung von Zeit für:
    • Erholung der Organe (Lunge, Herz),
    • Ursachenbehandlung (z. B. Infekt, Embolie, Infarkt),
    • oder Vorbereitung auf weiterführende Therapie (z. B. Transplantation, LVAD).

3. ECMO-Arten

ECMO-Typ Anwendung Funktion
VA-ECMO (veno-arteriell) bei Herz-Kreislaufversagen ersetzt Herz- und Lungenfunktion
VV-ECMO (veno-venös) bei isoliertem Lungenversagen ersetzt nur die Lungenfunktion

4. Ablauf der Implantation

  • Die ECMO wird unter sterilen Bedingungen durch ein erfahrenes Team implantiert.
  • Punktionsstellen:
    • VV-ECMO: große Venen (z. B. V. femoralis und V. jugularis)
    • VA-ECMO: Vene + Arterie (z. B. V. femoralis + A. femoralis)
  • Einführung von dicken Kanülen, über die das Blut abgeführt, oxygeniert und zurückgeführt wird.
  • Anschließend Verbindung mit der ECMO-Maschine (Pumpe + Membranoxygenator).
  • Dauer der Implantation: meist 30–90 Minuten.

5. Dauer der Therapie

  • In der Regel: Tage bis max. wenige Wochen.
  • Währenddessen engmaschige Laborkontrollen, Echokardiographie, Beatmung, medikamentöse Begleittherapie.
  • Ziel ist Entwöhnung („Weaning“), wenn sich Herz oder Lunge ausreichend erholt haben.

6. Vorteile

  • Rettung aus einer akuten, sonst tödlichen Kreislauf- oder Lungensituation.
  • Verbesserung der Organperfusion.
  • Stabilisierung als Überbrückung („Bridge“) zur weiteren Therapie.
  • Einzige Option bei refraktärem Herzstillstand oder therapierefraktärem Lungenversagen.

7. Mögliche Risiken und Komplikationen

Komplikation Häufigkeit Erläuterung
Blutungen häufig v. a. an Punktionsstellen, im Gehirn oder Magen-Darm-Trakt
Gerinnselbildung / Embolie gelegentlich trotz Antikoagulation möglich
Infektionen häufig durch Katheter, Beatmung, invasive Verfahren
Beinischämie / Kompartmentsyndrom gelegentlich bei VA-ECMO über femorale Arterie
Hämolyse (Blutzerfall) gelegentlich durch mechanische Belastung des Blutes
Schlaganfall, Hirnblutung selten, aber schwerwiegend v. a. bei VA-ECMO
Multiorganversagen bei sehr schwerkranken Patienten häufig trotz ECMO
Tod trotz Therapie häufig (je nach Indikation) Letalität bei kardiogenem Schock oder ARDS: 30–70 % je nach Ausgangssituation

8. Alternativen

  • Keine adäquate Alternative, wenn konventionelle Therapie (Beatmung, Katecholamine) ausgeschöpft ist.
  • Andere Systeme:
    • Impella, IABP (nur bei Herzversagen, weniger leistungsfähig)
    • Lungenersatzverfahren (z. B. HFOV) bei ARDS – oft nicht ausreichend

9. Nachbehandlung / Ausblick

  • Intensive Überwachung (24 h).
  • Antikoagulation zur Vermeidung von Gerinnseln.
  • Multimodale Therapie inkl. Beatmung, Dialyse, Ernährung, Sedierung.
  • Fortlaufende Beurteilung: Organerholung? Therapieziele? Limitierung?
  • Wenn keine Besserung: ethische Diskussion über Therapiebegrenzung.

10. Besonderheiten

  • Die ECMO ist keine Dauertherapie, sondern ein zeitlich begrenzter Notfalleingriff.
  • Sie kann in Ausnahmefällen zur Transplantationsüberbrückung dienen („Bridge to transplant“).
  • Im Fall einer nicht mehr behebbaren Grunderkrankung muss eine Therapiebegrenzung in Erwägung gezogen werden.

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