1. Einleitung / Hintergrund
- Bei Ihnen wurde eine hochgradige Verkalkung (Kalzifikation) eines Herzkranzgefäßes festgestellt.
- Diese kann dazu führen, dass ein Ballonkatheter oder Stent nicht in die Engstelle vordringt oder nicht vollständig entfaltet werden kann.
- In solchen Fällen kann eine Rotablation (Rotations-Atherektomie) notwendig sein – ein Verfahren zur mechanischen Aufbereitung stark verkalkter Koronarstenosen.
2. Was ist eine Rotablation?
- Bei der Rotablation wird ein kleiner Diamantbohrkopf (1.25–2 mm) auf einem Draht mit bis zu 160.000 U/min rotiert und über einen Katheter zur Engstelle vorgeschoben.
- Dabei werden verkalkte Plaques „abgeschliffen“ und in mikroskopisch kleine Partikel zerlegt, die mit dem Blutstrom abtransportiert werden.
- Ziel ist es, die Engstelle so weit vorzubereiten, dass anschließend ein Ballonkatheter und Stent implantiert werden können.
3. Ablauf des Eingriffs
- Der Eingriff erfolgt im Rahmen einer regulären PCI im Herzkatheterlabor.
- Die Punktionsstelle ist in der Regel die Leisten- oder Handgelenksarterie.
- Nach der Koronarangiographie und der Beurteilung der Verkalkung wird der Rotablatorkatheter eingeführt.
- Nach der Aufweitung wird in der Regel eine Ballondilatation und Stentimplantation durchgeführt.
- Gesamtdauer der Prozedur: etwas länger als bei Standard-PCI (meist 60–90 Minuten).
4. Vorteile
- Ermöglicht eine erfolgreiche Behandlung stark verkalkter Stenosen, die sonst nicht stentfähig wären.
- Reduziert Komplikationen durch unvollständige Stententfaltung oder Stentrestenose.
- Erhöht die langfristige Offenheitsrate des behandelten Gefäßes.
5. Mögliche Risiken und Komplikationen
| Komplikation | Häufigkeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Schmerzen in der Brust | häufig | durch temporäre Gefäßreizung |
| Gefäßspasmen | gelegentlich | durch mechanische Reizung, meist medikamentös behandelbar |
| Bradykardie / Hypotonie | gelegentlich | v. a. bei rechtskoronaren Stenosen |
| Koronardissektion / Gefäßverletzung | selten | evtl. zusätzliche Stents oder Notfall-Bypass notwendig |
| Koronarperforation | sehr selten | potenziell schwerwiegend, ggf. Perikardtamponade |
| No-Reflow-Phänomen | selten | gestörter Blutfluss durch Mikroembolien |
| Schlaganfall, Embolie | sehr selten | durch Partikel, insbesondere bei linksseitiger PCI |
| Tod | sehr selten | < 1 %, abhängig von Grunderkrankung, Lokalisation, Dringlichkeit |
6. Nachbehandlung
- Überwachung auf der kardiologischen Station.
- Weiterführung der dualen Plättchenhemmung (DAPT).
- Schonung der Punktionsstelle (Arm oder Leiste).
- Kontrolle der Nierenfunktion (Kontrastmittelbelastung).
- Stabile Patienten sind in der Regel nach 1–2 Tagen entlassfähig.
7. Alternativen
- Standard-PCI ohne Rotablation – in diesem Fall meist nicht möglich oder mit hohem Risiko für Misserfolg.
- Bypass-Operation – kann bei Mehrgefäßerkrankung eine Option sein, ist jedoch invasiver.
- Medikamentöse Therapie allein – bei symptomatischer, schwerer Stenose meist nicht ausreichend.
8. Besonderheiten
- Die Rotablation wird nur bei besonders harten, kalzifizierten Läsionen eingesetzt.
- Der Eingriff erfordert besondere Erfahrung und wird nur in dafür ausgestatteten Zentren durchgeführt.
- In einigen Fällen kann alternativ ein „intravaskulärer Lithotripsieballon (Shockwave“) zum Einsatz kommen – je nach Lokalisation und Plaque-Morphologie.

