1. Einleitung
- Bei Ihnen wird eine Koronarangiographie zur Darstellung der Herzkranzgefäße durchgeführt.
- Falls dabei Unklarheiten über die Relevanz einer Engstelle (Stenose) bestehen, kann ergänzend eine sogenannte FFR-Messung (Fractional Flow Reserve) durchgeführt werden.
- Ziel ist es, funktionell bedeutsame Verengungen zu erkennen, um unnötige Stentimplantationen zu vermeiden oder gezielt durchzuführen.
2. Was ist die FFR-Messung?
- Die FFR misst den Druckabfall vor und nach einer Koronarstenose unter maximaler Durchblutung (Hyperämie).
- Sie erlaubt eine objektive Beurteilung, ob die Engstelle die Durchblutung tatsächlich relevant beeinträchtigt.
- Eine FFR < 0,80 weist auf eine hämodynamisch relevante Stenose hin, die mit einer Intervention behandelt werden sollte.
3. Ablauf der FFR-Messung
- Nach Einbringen des Herzkatheters wird ein feiner Draht mit Drucksensor über die Engstelle vorgeschoben.
- Um den Messwert korrekt zu erheben, wird ein kurz wirkendes Medikament (z. B. Adenosin) verabreicht, um eine maximale Gefäßweitstellung (Hyperämie) zu erzeugen.
- Der Druck vor und nach der Engstelle wird aufgezeichnet und automatisch in den FFR-Wert umgerechnet.
- Die FFR-Messung dauert meist nur wenige Minuten und ist in die Koronarangiographie integriert.
4. Vorteile
- Vermeidung unnötiger Stents bei nicht-bedeutsamen Engstellen.
- Verbesserung der Therapieentscheidung bei grenzwertigen Stenosen.
- Genaue Risikoabschätzung bei stabiler KHK.
- In vielen Studien mit einer besseren Langzeitprognose assoziiert.
5. Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
| Risiko / Nebenwirkung | Häufigkeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Herzklopfen, Atemnot, Brustdruck | häufig (vorübergehend) | durch Adenosin, rasch reversibel |
| AV-Block während Adenosin-Gabe | gelegentlich | selbstlimitierend |
| Allergische Reaktion auf Medikament / Drahtmaterial | sehr selten | bei bekannten Allergien bitte vorher angeben |
| Gefäßverletzung durch Druckdraht | extrem selten | (< 0,05 %) |
| Rhythmusstörungen | sehr selten | bei instabiler KHK potenziell auslösbar |
6. Alternativen
- Optische Beurteilung allein in der Angiographie (subjektiver)
- Nicht-invasive Verfahren (z. B. CT-Angiographie mit FFR-Analyse, Stress-MRT) – aber nicht bei aktueller Angiographie relevant
- iFR-Messung (ohne Adenosin, vergleichbar, aber weniger etabliert)
7. Besonderheiten
- Die FFR-Messung ist besonders sinnvoll bei:
- Grenzwertigen Engstellen (z. B. 40–70 %),
- Mehrgefäßerkrankung,
- asymptomatischen oder atypischen Beschwerden.
- Die Messung ist leitlinienempfohlen, wenn der klinische Nutzen der PCI unklar ist.
8. Nach der Untersuchung
- Kein zusätzlicher Zugang erforderlich – erfolgt im Rahmen der Koronarangiographie.
- Kurzfristige Nebenwirkungen (z. B. durch Adenosin) klingen rasch ab.
- Ergebnisse fließen direkt in die Therapieentscheidung ein (Stent ja/nein).

